Wiedereinführung der Meisterpflicht oder “bring uns die gute alte Zeit zurück”

Um eines gleich vorweg zu nehmen, halte auch ich eine gute Ausbildung für sinnvoll und wünschenswert. Ob man dafür allerdings die Meisterpflicht für Fotografen wieder einführen muss, kann ich nicht nachvollziehen.

Fotografie (dem Wortsinn nach “zeichnen mit Licht”) ist ein kreativer gestalterischer Prozess und genau aus diesem Grund haben sich AWI und BFF schon vor über 30 Jahren vom Handwerk gelöst.

Meisterpflicht gerne für Berufe bei denen für den Verbraucher Gefahren ausgehen können (Gas, Elektro, usw.). Dies ist jedoch bei einem Fotografen nicht zu erwarten. Und auch hier schützt ein Meisterbetrieb nicht immer vor Überraschungen – so wurde bei meinem Studioumbau beispielsweise von einem Fachahndwerker ein Abwasserrohr mit einer Steigung verlegt – dies aber nur am Rande.

Was also soll durch die Wiedereinführung erreicht werden?

Eine Höhere Qualität? Hier habe ich meine Bedenken wenn ich mir die Webseiten von manchem Meisterbetrieb anschaue. Höhere Honorare/Preise? Auch hier habe ich keine Hoffnung. Wenn ich mir Angebote von Handwerksfotografen anschaue, frage ich mich manches Mal ob da die Oma den Betrieb finanziert oder ob die Einschätzung der eigenen Arbeit wirklich so gering ist. Oder geht es letztendlich darum den Kammern das Überleben durch genügend Mitgliedsbeiträge zu sichern? Und wer soll letztendlich eigentlich geschützt werden, der Fotografenmeister oder der Kunde?

Die heutigen Generationen benötigen keine Kammern mit Zwangsabgaben um sich zu vernetzen. Die Welt hat sich nun Mal verändert. Biometrische Passbilder macht dm für 9,99 €. Werbeagenturen vergeben die Jobs nicht nach Meisterbrief oder Zugehörigkeit bei einem Verband, sondern nach der Mappe, dem Webauftritt oder Referenzen. Für eine Fotoproduktion werden heute oft Spezialisten aus vielen Bereichen zu einem Team. Foodstylisten, Haare/ Makeup Artisten, Stylisten, Fotoassistenten, Digital Operatoren, etc. Der Fotograf ist hierbei Dirigent und Teambilder. Um dies zu leisten benötigt man keinen Meisterbrief sondern Erfahrung und Empathie.

Man wird den Markt durch eine Wiedereinführung der Meisterpflicht nicht bereinigen können, weder hinsichtlich der Preise noch der Qualität. Man baut nur wieder ein Bürokratiemonster auf. Und die vom CV genannten Gründe wie z.B. der Umgang mit Hochspannung in billigem Blitzequipment aus China oder das Arbeiten mit zum Teil richtig ungesunden Prozessen (C41 Prozess, nasses Kollodiumverfahren, Ambrotypie etc.) halte ich bei aller Wertschätzung für reichlich dünn.

In diesem Sinne ‚Gut Licht‘.

Klaus Lorenz – AWI Vorstand

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